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NHS & Reitschulguide

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Pferde spielen in der Natur miteinander, einerseits aus Lebensfreude, aber auch um im Spiel zu klären, wer ranghöher ist. Dabei ist es keineswegs so, dass Pferde möglichst oben in der Rangordnung stehen wollen. Eigentlich sind sie eher natürliche "Follower", die froh sind, wenn ein anderes Pferd die Verantwortung übernimmt, damit sie selbst in Ruhe schlafen und fressen können, ohne ständig darauf achten zu müssen, ob ein Raubtier in der Nähe ist. Deswegen ist das Pferd eigentlich immer auf der Suche nach einem souveränen Führer. Um als Mensch diese Position einzunehmen, sollten wir es genauso machen, wie die Pferde untereinander: Leadership durch Spiel, dann haben wir Zwang und Einschüchterung nicht nötig und die Pferde freuen sich auf den Menschen, denn Pferde lieben es zu spielen. Pat Parelli, der Begründer des Natural Horsemanship, hat das Lernsystem der so genannten sieben Spiele entwickelt, die wir Ihnen auf dieser Seite kurz vorstelle - es lohnt sich auch unsere Youtube-Kanal zu abonnieren oder einen Blick in unseren Blog zu werfen, um den Unterricht bei uns sinnvoll zu begleiten. Serviceseite: Das im Unterricht Gelernte nachlesen.

Zunächst muss der Mensch das hier beschriebene NHS-System erlernen, das Pferd kann es ja schon mehr oder weniger, weil es seiner eigenen Sprache ähnelt. Um es aber für den Menschen verständlicher zu machen, hat Parelli, der Begründer des Natural Horsemanship, das System der sieben Spiele entwickelt. Dabei müsssen die unten aufgeführten Spiele 1 bis 3 reibungslos funktionieren, bevor wir zu den Spielen 4 bis 7 übergehen, da eins aufs andere aufbaut. Ich vergleiche die erste Stufe des Lernsystems mit dem Alphabet: Die Spiele 1 - 3 sind die Buchstaben, die Spiele 4 - 7 erste einfache Wörter. Wer alle sieben Spiele kennt, kann schon kurze, einfache Sätze usw. ...Im ersten Teil (Level) des Lernprogramms geht es um Respekt, Sicherheit und sogenannte Notfallhilfen, wenn Gefahr droht; später lässt sich das Pferd dann auf fast unsichtbare Zeichen lenken und leiten. Bevor wir uns aber in den Sattel setzen, sollten wir am Boden folgende Elemente erarbeitet haben:

D I E   B A S I S P I E L E    (1 - 3)

1. Friendly Game: Dabei geht es um rhythmische Bewegung mit Seil oder Stick, aber auch z.B. mit Gegenständen wie Planen oder Sprühflaschen sowie auch Streicheln oder Ängste abbauen. Wenn Sie schon auf einem höheren Niveau mit ihrem Pferd spielen, ist das Friendly Game auch eine Art von Neutral bzw. blitzschnell in einer Art Dankeschön passiv werden, wenn das Pferd gehorsam ist.

2. Porcupine Game:  Beim "Stachelschwein-Spiel wird stetiger Druck mit dem Finger oder dem Stick aufgebaut und der wird in 4 Phasen gesteigert: Ich drücke 1. die Haare 2. die Haut 3. die Muskeln 4. die Knochen.  Ich bewege im Level 1 sowohl von rechts als auch von links die Hinterhand, die Vorhand und schiebe mein Pferd rückwärts. Die Idee ist, dass der Druck auf Phase 1 verringert wird, sobald das Pferd reagiert, wenn ich die Bewegung aufrecht erhalten will. Wenn ich möchte, dass das Pferd stehenbleibt, kraule ich es an genau der Stelle, wo vorher der Druck war.

3. Driving Game: Hier wird rhythmischer Druck aufgebaut, meist mit dem Stick oder dem Seil - wie immer in vier sich steigernden Phasen. Auch hier von beiden Seiten Vorhand und Hinterhand bewegen und rückwärts schicken. Wenn das Pferd reagiert, kehre ich zur Phase 1 zurück, wenn ich noch mehr Schritte möchte. Ich stehe ganz still und entspannt, wenn das Pferd anhalten soll - manchmal benötige ich fürs Anhalten ein Vibrieren des Seils, bei manchen Pferden muss ich dies bis zum Schütteln steigern. Es kann gelegentlich in der Phase 4 notwendig sein, das Pferd zu berühren oder den Boden neben dem Pferd mit der richtigen Energie zu treffen. Die Phase 4 wird aber immer seltener, weil Pferde lernen auf feine Phase zu reagieren und immer mehr gefallen wollen.

D I E    Z W E C K S P I E L E (4-7)

4. Yoyo Game: Vor und zurück auf geraden Linien (also auch Führübungen und Übergänge beim Reiten). Wenn ich frontal vor dem Pferd stehe und es mit dem Seil rückwärts schicke, bewege ich in Phase 1 den Finger, in Phase 2 das Seil mit dem Handgelenk, in Phase 3 mit dem Ellbogen und in Phase 4 mit durchgestrecktem Arm aus der Schulter heraus. Auch hier gilt: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Das Pferd entscheidet, bei welcher Phase es reagiert und wenn ich genau in diesem Moment mit dem Druck nachlassen, wird das Pferd immer feiner. Das Zurückholen beginnt mit einem Einziehen des Bauchnabels, danach gebe ich nur vor, als würde ich das Seil einholen und in einer höheren Phase versuche ich das Pferd mit einem weichen, stetigen, aber nicht ziehenden Zug am Seil zu mir einzuladen. Einladen heißt hier auch: Entspannt stehen und lächeln.

5. Zirkelspiel (Circling Game): Anders als beim Longieren oder beim Driving-Spiel bleibt der Mensch in der Mitte möglichst stehen, ohne sich zu bewegen (Kraft des Neutral). Nur so lernen Pferde im Circling Game Verantwortung zu übernehmen: auf den Weg zu achten und Richtung und Gangart beizubehalten, ohne dass der Mensch jeden einzelnen Schritt treibt oder kontrolliert: Ich lasse das Pferd in Ruhe, wenn es seinen Job macht, tut es dies nicht, setze ich das Gangart oder Richtung beibehalten so effektiv durch, dass ich wieder eine Zeitlang still stehen kann. Das Zirkelspiel beginnt mit dem Wegschicken durch den 1. Teil des Jojo und danach (im Send) die Phasen "Führe es" (das Seil), in Phase 2 den Stick heben, in Phase 3 Stick schwingen und in Phase 4 den Boden neben dem Pferd treffen, falls das Pferd es so weit kommen lässt (1. lead it 2. lift it 3. swing it 4. touch it).

6. Seitwärts (Sideways Game): Anfangs wird das Seitwärts aus dem Zirkel entwickelt und der Zaun wird zuhilfe genommen. Das sieht so aus: Der Mensch steht mit dem Rücken unmittelbar am Zaun, wenn der Kopf des Pferdes ebenfalls kurz vor dem Zaun ist, wendet der Mensch um 90 Grad und geht auf das Pferd zu und setzt ggf. den Stick (gehalten wie ein Skistock) ein, damit das Pferd seitlich weicht mit folgender Reihenfolge: Wechsel aus Seitwärts nach links, Halbkreis, Seitwärts nach rechts, Halbkreis usw. Die Phasen zum Wegschicken entsprechen denen im Zirkelspiel (Lead it, Lift it, Swing it, Touch it). Das Seitwärts ist eigentlich ein Wechsel aus Vorhand einen Schritt verschieben, Hinterhand einen Schritt verschieben, dann wieder die Vorhand usw. Man kann dies zunächst mithilfe von stetigen Druck erarbeiten (Porcupine) und dann bald zu rhythmischen Druck übergeben (Driving Game). Hören Sie aber unbedingt dann auf, wenn das Pferd einen guten Job macht und kehren erst am nächsten Tag wieder zu dieser Übung zurück. Es würde es ansonsten so empfinden, dass es nicht gut genug war, wenn die Übung immer und immer wieder wiederholt wird. "Druck motiviert, aber Loslassen lehrt" (P. Parelli)

7. Engpässe (Squeeze Game): Am Boden sind das enge Gassen (z.B. zwischen Mensch und Zaun), Hindernisse aller Art oder auch der Pferdehänger - die Idee ist hier, dass das Pferd den Engpass durchquert, sich dem Menschen zudreht, ihn ansieht und wartet (Turn-Face-Wait: Dreh Dich, sieh mich an und warte), bis es in die nächste Richtung geschickt wird - ansonsten wäre es ein Zirkelspiel mit Hindernissen.

Bis hierhin hat der NHS-Schüler lediglich das Handwerkszeug des Horsemanship erlernt - wichtig ist, dass die Spiele nicht in immer der gleichen Reihenfolge gespielt und variiert werden, z.B. mit Hindernissen, die grundsätzlich mit der Touch-It-Pattern dem Pferd vorgestellt werden. Hier spiele ich mit einer Stange - genauso kann ich mit Podesten, Planen, Brücken und z.T. sogar mit Sprüngen vorgehen. Spaß macht es auch einen Gymnastikball zu integrieren und sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen (siehe auch Can-you-challenges)

Bis hierhin haben Sie lediglich Ihr Handwerkzeug gelernt, mit dem Sie dann in der Lage sind, individuell auf Ihr Pferd einzugehen, um z.B. auch die emotionale und mentale Losgelassenheit und Versammlung des Pferdes zu entwickeln. Linda Parelli hat dies mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: "Gib dem Pferd, was es braucht und es gibt Dir, was Du willst." Wichtig ist, dass Sie die Spiel weiterentwickeln und variieren, um das Pferd nicht zu langweilen. Es sind zwar immer wieder sieben Spiele, aber die werden auf einem immer schwierigerem Niveau gespielt (siehe Tabelle ganz unten) und es gibt für jedes Spiel ein paar Dutzend Varianten: Wie das höhere Niveau aussieht, sehen Sie bei NHS-Demo und bei den Parelli-Auditions. Außerdem gibt es die Parelli-Pattern wie die Acht, der Slalom,  Question- & Sideways-Box, Bullseye, das Kleeblatt, Millionen Übergänge usw.

Die erste Pattern ist das Touch it - über den Sinn und Zweck dieser Touch-it-Pattern habe ich im September-Blog geschrieben.

Oben sehen Sie die Techniken des Reitens auf Level-2-Niveau, der besonders für Anfänger und Jungpferde gut geeignet ist. Weiter unten auf dieser Seite sind die Phasen im Freestyle-Reiten auf Level-2-Niveau noch einmal stichwortartig zusammen gefasst. Aber in Level 2 wird natürlich auch die Bodenarbeit weiterentwickelt: Wir benutzen nun ein 7-Meter-Seil und spielen die 7 Spiele mit unterschiedlichen Hindernissen. Im Level 3 kann man ohne Kopfstück lenken und anhalten und beginnt mit der Freiheitsdressur - eine Übersicht bietet die nachfolgende Tabelle:

 Online:

Bodenarbeit mit Seil

Liberty:

Freiheitsdressur 

Freestyle: Reiten am langen Zügel

Finesse: 

Reiten mit Anlehnung

 

Stufe 1

Vergleichbar mit dem ABC:

Wie kann ich mich am Boden durchsetzen nach dem Motto: Anklingeln, Anklopfen, Tür eintreten! Die Signale werden noch übertrieben. Um es leichter zu machen, benutzen wir für höchstens 3 - 4 Wochen ein kürzeres Seil. Varianten sind möglich: Druck aufbauen mit Händen, Seil oder Stick.

 

Respekt bekommt man am Boden oder gar nicht - deswegen beginnt jede Pferd-Mensch-Partnerschaft am Boden, das Reiten folgt erst in Stufe 2.

 

Stufe 2

Habe ich ein so klares Kommunikationssystem, dass mein Pferd gelegentlich schon meiner Andeutung folgt? Wir arbeiten nun mit Hindernissen und nehmen ein Seil, das doppelt so lang ist.

 

Einhändiges Reiten am langen Zügel - wir lernen eine Art Notfallplan, um bei Ungehorsam des Pferdes handeln zu können.

 

Stufe 3

Erst jetzt bringen wir dem Pferd etwas bei - was in den ersten beiden Stufen übertrieben wurde, wird jetzt verfeinert, denn wenig ist oft mehr - im Idealfall wird das Anklingeln vom Pferd verstanden und befolgt.

Funktioniert die Kommunikation auch ohne Seil im Roundpen?

Zum Lenken braucht man keine Zügel, wir dirigieren mit Blick und Bein und nehmen  nur ein bzw. zwei Sticks für den Notfall.

 

Stufe 4

Kann ich mein Pferd mit kleinsten fast unsichtbaren Signalen am Boden steuern? Dann ist es Zeit für die Doppellonge oder die Bodenarbeit am 12-Meter-Lasso.

Freiheitsdressur ohne Seil am Boden z.B.  in der Reithalle oder auf der Weide bzw. in einer großen Arena.

Reiten nur mit einem Halsring oder String um den Pferdehals, aber wir reiten möglichst ohne ihn anzufassen: Liberty Riding.

Reiten mit Zügelkontakt: Ab hier wird es auch für Turnierreiter interessant: z.B. Stellung, Biegung, Seitengänge und fliegende Wechsel

Eine deutsche Beschreibung der Seven Games von Pat Parelli finden Sie bei: www.schoolofhorsemanship.de, (wobei es nur in den ersten beiden Level, in denen der Mensch lernt so starr ist wie z.T. kritsiert. Ab Level 3, sobald der Mensch also fit genug ist, auch ein Pferd auszubilden, heißt es dann grundsätzlich: "Es kommt drauf an: Das Pferd, seinen Menschen, die Tagesform usw. usw."). Ihr Vorgehen hängt also ganz besonders von der Persönlichkeit Ihres Pferd ab. Diese Persönlichkeit können Sie mit einem Fragebogen ermitteln, den Sie unter folgendem Link finden: www.westernreiten-rostock.de/downloads/Horsenality_Profile_Deutsch.pdf Hier wird grundsätzlich nur das angekreuzt, was auf das Pferd zutrifft, so dass viele Felder durchaus frei bleiben. 

Zum Weiterlesen empfehle ich zunächst den deutschsprachigen Blog der Parelli-Instruktorin Silvia Aigner, den Blog der Instruktorin Ursula Schuster und die folgende deutschsprachige Website www.michelkarin.name (Button unterhalb). Unter letzterem Link finden Sie Infos zu den fünf Zonen, den sieben Spielen nach Pat Parelli am Boden und im Sattel und einen Artikel von Linda Parelli zur Hill-Therapie, wo es darum geht, ein schlecht bemuskeltes oder falsch gerittenes Pferd in nur sechs Wochen wieder "rund" zu bekommen und es dazu zu bringen, unterzutreten, seine Muskeln effektiv einzusetzen und den Hals fallen zu lassen. Um diese Technik anwenden zu können, sollten Pferd und Reiter allerdings mindestens auf Level-2-Niveau spielen (siehe Tabelle unten). Obwohl ein Artikel keinen Unterricht ersetzen kann, empfehle ich zur Hill-Therapie folgenden Link: http://zambail.com/huegeltherapie/

Einen Link zu den Heften aus dem 1. Heimstudienprogramm finden Sie übrigens hier: http://de.scribd.com/doc/56167046/Pat-Parelli-Perfect-Horsemanship-in-21-Lections-Chico#scribd - weiter unten finden Sie eine Tabelle zu den ersten vier Levels des Lernsystems:

WARUM EIGENTLICH EINEN HORSEMANSHIP- & REITSCHULGUIDE ?

  • Unseren Horsemanship & Reitschulguide haben wir vor allem deshalb erstellt, um unseren Schülern zu ermöglichen, die Grundlagen ohne allzu großen finanziellen Aufwand zu erlernen - hier kann das im Unterricht Gelernte im Nachgang nachgelesen werden.

  • Bis hierher wurde der Level 1 erläutert, im Video unterhalb der beiden blauen Buttons gibt es einen kleinen Einblick in den Reitteil des Level 2 und eine Vorausschau auf die anderen Levels. Nicht vergessen, was Pat Parelli sagt: "BEI LEVEL 4 GEHT ES EIGENTLICH ERST LOS !!!" Nach dem Grundsatz "foundation before specialisation", erfolgt die Spezialisierung auf Dressurreiten, Reining und, und, und erst im bzw. nach dem Level 4. Denn ein wunderschönes Haus ohne Fundament wird am Ende trotz all seines Zierwerks dennoch einstürzen - siehe auch Unser Leitbild.

Nehmen Sie sich die Zeit jeden Tag einen der blauen Begriffe anzuklicken und einen Artikel zu lesen. In diesen täglichen fünf Minuten werden Sie zu mehr Verständnis gelangen und wenn die Philosophie verstanden ist, lässt der Lernerfolg nicht allzu lange auf sich warten. Achten Sie dabei aber auf qualitativ hochwertige Ausrüstung und sparen Sie nicht am falschen Ende. Hier ein Artikel von mir dazu, was sie bei der Ausrüstung beachten sollten:


Fit für die Gruppe? Das muss man können:

Anfänger lernen zunächst stark übertriebene Hilfen, die dann nach und nach so verfeinert werden, dass sie später nahtlos mit dem Westernreiten bzw. der klassischen Reitkunst verschmelzen. Denn Reiten nach NHS-Prinzipien kann reitweisenübergreifend angewendet werden, weil es sich als Grundlagensystem versteht. Aber vorher muss die Basis stimmen: Im Video weiter oben haben wir Ihnen das Reiten auf Level-2-Niveau vorgestellt - das Ziel ist natürlich nachher auf diese übertriebene Art der Hilfengebung nicht mehr angewiesen zu sein, aber man muss z.B. den One-Rein-Stop (indirekter Zügel) jederzeit blitzschnell anwenden können, falls das Pferd einmal durchgeht oder auch einfach nur auf eigene Faust schneller wird, obwohl der Reiter hierfür nicht die Erlaubnis gegeben hat. Fürs Turnier oder das Reiten mit unsichtbaren Hilfen wird dieser Level-2-Hilfe ein noch feineres Signal vorweg schickt, das einheitlich gehandhabt werden muss, damit das Pferd es nach einigen Wiederholungen erkennt und es gar nicht mehr dazu kommen lässt, dass der Reiter seine Phasen steigert. Im Blog der Parelli-Instruktorin Silvia Aigner finden Sie Erklärungen dazu, warum eine Phase vier keine Gewalt ist und wie fortgeschrittene Schüler die Phase abwandeln, was Verstärkung, Kontrolle und Verfeinerung genannt wird. Weitere Blogs von Parelli-Instruktoren finden Sie HIER.

Zum Auswendiglernen können unsere Reitschüler gerne die nachfolgende stichwortartige Zusammenfassung des im Unterricht Gelernten nachlesen. Das symbolische Anklingeln ist mit 1. markiert, reagiert das Pferd, werden alle Hilfen eingestellt (Nullwirkung), falls nicht, folgt 2. (Anklopfen) ggf. 3. als allerletzte Warnung, reagiert das Pferd auch darauf nicht, kommt das symbolische Tür-Eintreten - hier jeweils als 4. Phase:

  • Steigernde Hilfen beim Anreiten: 1. Gesäß anspannen, 2. (wenig !!!) Bein, 3. Seil touchiert meine eigenen Schultern 4. Seilchen / Gerte trifft Pferd

  • Anhalten: 1. Bauchnabel zurück, 2. Stimmkommando "Whoa", 3. Zügel heben 4. indirekter Zügel (Hals des Pferdes zum Bein des Menschen biegen)

  • Lenken: 1. Blick 2. Bauchnabellampe, 3. Bein (Tür auf & zu), 4. direkter Zügel
  • Das Video oben zeigt zwei Varianten zum Zügel verkürzen. Das kann man hervorragend zu Hause üben.

  • direkter Zügel zum Vorhandverschieben (Tür auf): die Zügelhand führt mit gestrecktem Arm von unten nach oben - unbedingt VOR Sattel bzw. Oberschenkel bleiben.

  • indirekter Zügel zum Hinterhand verschieben (Stellen, Biegen oder im Notfall: One-Rein-Stop): 1. Posaune 2. Finger für Finger umschließt den Zügel 3. Oberschenkel 4. in gerader Linie zu Bauchnabel bzw. zur gegenüberliegenden Schulter, falls das Pferd nicht reagiert.

  • Rückwärts reiten mit und ohne Zügel, z.B. mit 9 Signalen: 1. eine Hand heben 2. zweite Hand fasst beide Zügel am Widerrist 3. erste Hand nimmt einen Zügel. Wir üben nun, dass sich Hände langsam schließen, aber schnell öffnen: 4. Zeigefinger 5. Mittelfinger 6. Ringfinger 7. kleiner Finger 8. Hand anheben 9. Ellbogen nach hinten führen - egal bei welchem Step wir sind: Geht das Pferd rückwärts, stellen wir alle Hilfen ein.

  • einhändig Reiten am langen Zügel (Schnalle fassen bzw. California Roll: freie Hand korrigiert)

  • Reiten nur mit einem Zügel (Seil über den Kopf des Pferdes schwingen bei Bedarf und direkten und indirekten Zügel anwenden)

  • Trab-Aufgabe: je eine Runde leichttraben, leichter Sitz, mitschwingen im Aussitzen

  • Rechtsgalopp: linkes Bein & Schulter zurück / Linksgalopp: rechtes Bein & Schulter zurück

  • Zügel nur im Notfall benutzen d.h. wenn die Körpersignale nicht funktionieren

  • Wir steigern unsere Hilfen linear: das symbolische "Tür eintreten" muss aber effektiv sein, falls wir es einsetzen müssen. Wenn das Pferd auf einer feineren Stufe reagiert, wird selbstverständlich nicht mehr gesteigert, sondern wir kehren zu Phase 1 zurück.

  • Unser Ziel ist ein Pferd, das auf möglichst unsichtbare Hilfen reagiert

  • Hufschlagfiguren: Ganze Bahn in allen drei Gangarten, 8er-Figuren, Slalom, Volten und Zirkel. Für Fortgeschrittene: Kleeblatt-Pattern oder Bulls Eye (Bullauge).

  • Stimmkommandos: "Whoa" = Anhalten / "Easy" = Langsamer / "Back" = Rückwärts / Komm oder 1 x Schnalzen zum Anreiten / 2 x Schnalzen = Trab / Kuss-Geräusch = Galopp

Beschrieben sind hier die Hilfen, wie Sie in der Stufe 2 des NHS-Lehrsystem, die sich aufs Reiten bezieht. Das nachfolgende Video befasst sich noch einmal mit der Bodenarbeit auf Level-1-Niveau.

Nicht nur Technik, sondern auch eine Philosophie

Ob ich Westernreiter bin oder nach NHS-Prinzipien vorgehe, es gibt hierfür sehr hilfreiche Leitsätze - ein paar habe ich einmal herausgesucht:

  • So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich

  • Steigerung in Phasen nach dem Prinzip: Anklingeln, Anklopfen, Tür eintreten. Jede Phase dauert eine bis höchstens drei Sekunden - wenn das Pferd reagiert, werden alle Hilfen eingestellt
  • Steigerung in Phasen nach dem Prinzip: Anklingeln, Anklopfen, Tür eintreten. Jede Phase dauert eine bis höchstens drei Sekunden - wenn das Pferd reagiert, werden alle Hilfen eingestellt
  • Nutze die Kraft des Neutral und sei passiv, wenn das Pferd gehorsam ist (Nullwirkung)
  • Jede Pause ist eine Belohnung: Druck motiviert, Loslassen lehrt !!!
  •  

Hier meine Lieblingszitate von Pat Parelli:

  • Good, better, best, never let ist rest, make your good better and your better best.

  • Take the time it takes, so it takes less time.

  • Savvy ist zu wissen, was passiert, bevor passiert was passiert.

  • Timing ist nicht etwas, Timing ist alles

  • Es kommt nicht so sehr darauf an, WAS man tut, sondern WIE man es tut, WANN man es tut und vor allem WARUM man es tut.

Parelli benennt darüber hinaus auch 7 Schlüssel zum Erfolg:

  • Attitude: Die innere Einstellung - eine Balance aus Fairness und passiver Beharrlichkeit.

  • Knowledge: Das Wissen über Pferde muss zunächst geistig verstanden werden.

  • Tools: Werkzeuge, z.B. Knotenhalfter, Stick, Zaumzeug, Sattel

  • Techniques: Die Techniken sollten in Fleisch und Blut übergehen

  • Time: Niemals unter Zeitdruck arbeiten; mit Geduld geht es schneller zum Ziel, aber auch der Leitsatz: Timing ist nicht etwas, Timing ist alles.

  • Imagination: Die Phantasie und Vorstellungskraft führt zum Erfolg.

  • Support: Man sieht sich nie selbst, also unbedingt Unterstützung von einem Trainer holen.


Parelli Auditions - der nächste Link zeigt die Audition-Subdomain auf meiner Ex-Website per Web.Archiv.org

Ganz unten finden Sie die Aufgaben für jede Prüfung, wo bei Level 4 der letzte prüfbare Level bei Parelli Natural Horsemanship ist. Hier eine Übersicht über das Noten-System.

Notensystem

Level 1  

L 1+

L 1 ++

Level 2

L 2 +

L 2 ++

Level 3

L 3 +

L3 ++

Level 4

L 4 +

L 4 ++

Niveau & String

Anfänger

roter String

 

Ein-steiger

blauer String

 

Fortgeschritten

grüner String

 

Profi

 

schwarzer String

Level 1: Nur Bodenarbeit - Das Savvy Online am 4-Meter-Seil

  • Level 2: Online am 7-Meter-Seil und Freestyle-Reiten (einhändig am langen Zügel)

  • Level 3: Drei Prüfungen - Online, Freestyle und Liberty (Freiheitsdressur)

  • Level 4: Vier Prüfungen - Online (Doppellonge & Lasso), Liberty (große Arena oder Weide), Freestyle (ohne Kopfstück), Finesse (Reiten mit Zügelkontakt)

Es wird ein 10minütiges ungeschnittenes Video nach Amerika geschickt, wo bestimmte Pflichtaufgaben erfüllt werden müssen, die auf dieser Seite ganz unten aufgelistet oder unter dem folgenden Link der deutschsprachingen Instruktoren zu finden sind:

Bevor Larissa den Level 4 bestanden hat, haben wir mit anderen Pferden Als-ob-Auditions im Level 3 gemacht, weil wir uns die Can-you-challenge für sie ausgedacht haben: "Kannst du mit Deinen Auditions einfach mitten im Level 4 anfangen?" Unser aller Üben für den Level 4 finden Sie unter Projekte. Hier ist eine Als-ob-Audition, die Larissa letztes Jahr mit Queenie auf Level 3-Niveau absolviert hat, ohne sie einzureichen bei Parelli.

Den Level 2 Online hat Queenie mit Reitschülerin Ronja bestanden und den Level 3 Liberty mit Schülerin Essie (siehe Videos unterhalb). Wir üben im Savvy "Online" mit Queenie bereits auf Level 4 Niveau. Videos davon finden Sie auf der Hauptseite Natural-Horsemanship.

Uns ist es ganz wichtig, dass nach Parellis Grundsatz "foundation before specialisation" Queenie zunächst in allen vier Savvys bis Level 4 beginnt, bevor sie in der Spezialisierung Reining ausgebildet wird, denn wir wollen beweisen, dass das NHS zu sehr guten Turnierleistungen führt, weil so das Turnier zum gemeinsamen Projekt von Pferd und Mensch wird und sich beide dafür ins Zeug legen, weil eben auch die Beziehung an erster Stelle steht.

Linksgalopp als Resubmit nachgereicht und damit dann den kompletten Level 3 bestanden. Meine Urkunden finden Sie auf der Natural Horsemanship-Seite.

Auditions: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung

"Good, better, best - never let it rest. Make your good better and your better best." Beim Reiten lernen ist man eigentlich nie fertig und im Natural Horsemanship wird gerne von der niemals endenden Selbstverbesserung gesprochen, deswegen ruhen wir uns nicht auf unseren Lorbeeren aus, sondern üben schon fleißig für unseren nächsten Level. Das nächste Video zeigt meinen 1. Versuch im Level 4 Freestyle, der "nur" mit 3 ++ beurteilt wurde, mittlerweile habe ich den Level 4 in diesem Savvy geschafft (1. Video oben). Das mittlere Video ist brandaktuell (Janik übt mit Lasso und Featherlines für den Level 4) und das Video danach zeigt einen Mutter-Sohn-Pferd-Spielenachmittag, wo wir noch im Level 3 online gespielt haben: Das Online im Level 3 und Level 4 hat die gleichen Pflichtaufgaben, z.B. Schlangenlinien im Trab, das Podest und das Verladen in den Pferdeanhänger, was im Video jedoch nicht gezeigt wird. Der Unterschied zwischen Level 3 und Level 4 ist neben der Verfeinerung, dass ein anderes Werkzeug benutzt wird (Level 3: 7-Meter-Seil / Level 4: Lasso und Doppellonge) und das im Level 4 immer fliegende Galoppwechsel gezeigt werden müssen. Eine Übersicht über die verlangten Aufgaben finden Sie hier:

AUFGABEN:

  • Level 1 / 2 online: Die 7 Spiele und folgende Pflichtaufgaben: Friendly Game mit Stick und String, Bein-Massage, Trab zu rückwärts (Pferd hinter Dir), Touch it (L 1: Nase / L 2: Fuß) , 8er (L 1: Schritt / L 2: Trab), Schritt, Trab, Halten, Rückwärts, Hindernissse: 2 Fässer

  • Level 3 / 4 online: Die 7 Spiele + Extreme Friendly Game, am Schwanz führen, Übergänge, Schritt, Trab, Galopp, Halten, Rückwärts, Schlangenlinien im Trab, Zirkel. Hindernisse: Hänger, Podest, 4 Fässer (Level 4: fliegender Galoppwechsel / Lasso & Doppellonge zeigen)

  • Level 2 Freestyle: einhändig Reiten am langen Zügel, Aufsteigen und Absteigen, laterale Biegung, direkter und indirekter Zügel, Schritt, Trab, (9-Step-) Rückwärts, Seitwärts, Folge dem Zaun, 8er

  • Level 3 / 4 Freestyle: Savvy String um den Hals, Aufsteigen, Stillstehen, Rückwärts, Schritt, Trab, Galopp, einfacher Galoppwechsel (L 4: fliegend), Galopp-Halt, Tor öffnen, Folge dem Zaun oder Kleeblatt, Corners Game, Question Box, Sideways / 3 Hindernisse aus folgenden: Plane, Pylone, Ball, Podest, Sprung / (Sprung ist bei L 4 Pflicht)

  • Level 3 Liberty: 7 Spiele, Schritt, Trab, Führen mit den Händen, 8er mindestens im Schritt, Zirkel im Trab rechts und links mit Richtungswechseln und Übergängen, Podest, 2 Fässer

  • Level 4 Liberty: 7 Spiele, Schritt, Trab, Rückwärts, Zirkel im Galopp rechts und links mit Richtungswechseln, Übergängen und fliegenden Wechsel, 8er mindestens im Trab, Führen am Schweif, Heranholen aus Trab oder Galopp, Pferdehänger, 2 Fässer

  • Level 4 Finesse: mit Anlehnung reiten (Cradle Bridle oder Myler), laterale Manöver wie Traversalen, Schulterherein, Travers (eins davon im Trab), fliegender Galoppwechsel in beide Richtungen, 20-Meter Zirkel im Galopp (rechts und links), 10-Meter-Zirkel im Trab (rechts und links), folge dem Zaun, Schlangenlinien, Schritt, Trab, Galopp, Rückwärts.

Beurteilt wird vor allem die Art und Weise der Kommunikation und die korrekte Hilfengebung bzw. Körpersprache. Auch sollte man im Level 4 in 80 Prozent der Zeit mit Phase 1 auskommen, also quasi eine fast unsichtbare Hilfengebung haben. Analog dazu: Im Level 3 sollte man in 80 Prozent der Zeit höchstens Phase 2 benötigen, im Level 2 höchstens Phase 3 in 80 Prozent der Zeit usw. Immer getreu dem Motto: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.